Dass Prag unglaublich toll sein soll, das hatte ich vorher schon soooo oft gehört. Und zur Weihnachtszeit dann sicher erst recht. Zur Weihnachtszeit ist ja alles irgendwie noch schöner als sonst. Als wir aber in die Stadt gefahren sind, war ich mir dann zuerst doch nicht so sicher. Alles sah ein bisschen heruntergekommen aus. Aber wenn man in den Stadtkern kommt, ist plötzlich alles anders. Gerade hatte ich angefangen mich darüber zu freuen- schwubs hatte uns auch schon die Altstadt verschluckt und wir hatten uns komplett verfranzt und erst mal riesen Zoff. Blödes Navi… :D

Ankunft in Prag

Unser Hotel war die Irrfahrt und die Diskussion dann aber zum Glück wirklich wert. Im Archibald at the Charles Bridge wurden wir superfreundlich empfangen und das Hotel liegt einfach perfekt: Direkt an der Karlsbrücke (keine 100m entfernt). Wir haben also unseren Koffer in unserem Zimmer in die Ecke gestellt und sind gleich losgetigert. Und da hab ich es auch gesehen: die Stadt ist ein echter Traum. Ich kann mich nicht erinnern jemals so eine mega Altstadt gesehen zu haben. Es findet sich so gut wie kein Neubau im ganzen Altstädter Ring, und die alten Gebäude sind richtig gut erhalten. Da ich Neubauten sowieso nicht so gerne mag, mein Paradies :)

Prag Karlsbrücke

Karlsbrücke und Prager Burg

Nach einem Spaziergang durch die Stadft und einem klitzekleinen Mittagsschlaf (ich liebe Mittagsschlaf…:D) im Hotel gings für uns dann auf den Weihnachtsmarkt. Der ist nicht wie die meisten Weihnachtsmärkte bei uns. Eigentlich geht es fast ausschließlich um Essen. Stände mit Handwerkskunst oder sonstigem Weihnachtsgebimmel gibt’s so gut wie gar nicht. Dafür aber an jeder Ecke „Hot Wine“ und die Prager Spezialität Tredelnik, eine Art Baumkuchen, den jeder Pragbesucher unbedingt probieren muss. Schmeckt richtig lecker!

Rathausplatz und Black Angels Bar

Zwischen Teynkirche und dem Rathaus mit der berühmten astronomischen Uhr tummeln sich immer viele Besucher, auch wenn gerade nicht Weihnachtsmarkt ist. -Schaut euch vor allem mal die supercoolen kleinen Ziertürmchen der Teynkirche an. Wenn wir irgendwann einmal ein Haus haben sollten, dann bitte mit solchen Ziertürmchen :))
Die astronomische Uhr ist ein tschechisches Kulturdenkmal und keiner kann so recht sagen wann sie eigentlich gebaut wurde. Zurzeit gehen die Gelehrten von Anfang des 15Jhd. aus. Die Uhr besteht aus einem astronomischen Ziffernblatt, einem Kalendarium, einigen Figuren und einem goldenen Hahn. Zu jeder vollen Stunde zwischen 9 und 22Uhr kräht der Hahn und die Figuren um die Uhr herum bewegen sich. -Was dann auch stündliche Massenaufläufe vor der Uhr zufolge hat.

Teynkirche und Astronomische Uhr

Teynkirche und Astronomische Uhr

Vom Weihnachtsmarkt sind wir weiter in die Black Angels Bar, die definitiv eine Menge mehr hält als der Name verspricht. Die Bar ist direkt am Rathausplatz im Gewölbekeller des U Prince Hotels und immer voll. Da wir früh dran waren, hatten wir aber Glück und haben noch einen Platz bekommen. Reservieren ist aber auf keinen Fall eine schlechte Idee… Die Bar ist im Stil der 30er Jahre eingerichtet, es wird den ganzen Abend über live Jazz (Klavier und Saxophon) gespielt und die Getränkekarte lässt von Gin bis zu den Cocktails wirklich keine Wünsche offen. Die Preise sind für Prager Verhältnisse entsprechend teuer, in Euro aber absolut okay. 5 Euro für einen Cocktail – und die Cocktails sind der Hammer! The Daisy und Fairy Fizz (mit Eiweiß :-o) kann ich besonders empfehlen.

Kultur-Tour und Hemingway Bar

Am nächsten Morgen im Hotel gabs ein mega Frühstück, genau richtig für den Kater den wir dann doch alle hatten. Danach sind wir den ganzen Tag durch die Stadt geschlendert, haben uns den Wenzelsplatz und das Nationalmuseum (von außen) angeschaut. Und eigentlich wollten wir einen Kaffee im Cafe-Cafe in  der Rytirska 10 trinken. Hier sollen z.B. Johnny Depp schon gegessen haben. Wir waren aber wohl zur Rush-Hour unterwegs und haben keinen Platz mehr bekommen. Nächstes Mal…
Am Nachmittag sind wir ins Klementinum, ein großer Gebäudekomplex im Barockstil direkt an der Karlsbrücke. Ursprünglich war das Klementinum ein Kloster, das ab dem 16 Jhd. als Universität genutzt und umgebaut wurde. Heute sind im Klementinum die tschechische Nationalbibliothek und einige wissenschaftliche Institute untergebracht. Die Führung durch einen Teil des Gebäudes, in dem sich auch die seit dem 18 Jhd. unveränderte Barock-Bibliothek befindet, dauert ungefähr 50 Minuten und endet im astronomischen Turm mit 360 Grad Blick. Wir hatten ein perfektes Timing und konnten kurz vor Ende der Führung durch die Fenster des Gebäudes schon den Sonnenuntergang sehen. Da ich den auf keinen Fall verpassen wollte, habe ich im Eifer die anderen beinahe die Treppe hochgeschubst :D Nicht sehr charmant, aber hat geholfen, wir waren rechtzeitig oben (wie war das mit dem Zweck und den Mitteln?!?): tadaaa

Prag Sonnenuntergang

Der wunderbare Sonnenuntergang

Nach der Führung und einem kleinen Nachmittagsschlaf haben wir zu Abend gegessen und sind dann in die Hemingway Bar, in der Black Angels Bar war Samstagabends ohne Reservierung kein Tisch mehr zu bekommen. Aber auch die Hemingway Bar hat eine beeindruckende Getränkekarte – und vor allem eine verrückte. Die Einrichtung ein bisschen weniger perfekt durchgestylt als in der Black Angels Bar, dafür aber mit echtem „Stammkneipen“-Potenzial. Und hier bekommt man wirklich sehr spezielle Cocktails z.B. mit Popcorn, Blaubeermarmelade, Nutella, Marzipanäpfeln und Legomännchen :) Jeder Cocktail ist ein kleines, durchgeknalltes Kunstwerk, aber lecker! Übrigens: Die Cocktails werden tatsächlich in den Gläsern serviert, die auf der Karte abgebildet sind.

Prager Burg

Sonntags sind wir dann nach einem aaaausgiebigen Frühstück noch frühsportmäßig die vielen Stufen zur Prager Burg hinauf gelaufen. Auf dem Areal steht auch der St. Veits Dom, den wir gerne auch von innen gesehen hätten… Die Schlange war aber unmöglich lang und dann haben wir uns doch nur für die Begutachtung von außen entschieden. Sonntagvormittag ist also der falsche Zeitpunkt für eine Besichtigung des Doms. An der Innenmauer der Burg ist auch das Goldene Gässchen: 11 kleine Häuser aus dem 16. Jhd., in einem davon hat sogar Franz Kafka für einige Monate gewohnt und gearbeitet. Von der Burg aus hat man außerdem auch den perfekten Blick auf die Altstadt und die Karlsbrücke. Also Kamera auf keinen Fall vergessen :)

Prag St. Veits Dom

St. Veits Dom

Danach haben wir uns -mit einem kurzen Umweg über den Weihnachtsmarkt am Rathaus für einen letzten Hähnchenspieß- auf den Rückweg nach Stuttgart gemacht. Ganz ohne Verfahren diesmal und so sind wir sogar noch am tanzenden Haus vorbei gefahren. Dass wir uns das anschauen wollten, hatten wir komplett vergessen. Das Glück war also auf unserer Seite und das Wochenende damit wirklich perfekt!

Hotelempfehlung

Das Archibald at the Charles Bridge hat uns wirklich komplett begeistert und wir können es uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Lage direkt an der Karlsbrücke ist perfekt, das Frühstück ein Traum und unser Zimmer war sauber, toll eingerichtet und absolut ruhig. Das Ganze gabs für 40€ p.P. mit Frühstück in der Vorweihnachtszeit.

Mit dem Auto nach Prag

Wer mit dem Auto nach Prag fährt, sollte übrigens auf keinen Fall vergessen vor der Grenze -oder spätestens an der ersten Tankstelle nach der Grenze – eine Vignette zu kaufen. Die kostet 13,50€ und ohne erwischt werden ist richtig teuer. Nach der Grenze sind es locker nochmal 170km, also die Idee die 13,50€ zu sparen und über Landstraßen zu fahren, ist eine ganz schlechte ;)
In der Prager Innenstadt findet man nur wenige Parkplätze, die nicht für Anwohner reserviert sind. Und außerdem ist Prag leider zurecht für Autoknacker-Banden bekannt. Die bewachten Parkplätze in der Stadt sind zwar mit ca. 25€ pro Nacht ziemlich teuer, dafür aber sicher.
In Prag selbst wird dann sowieso kein Auto mehr benötigt. An einem Wochenende kann man zu Fuß die meisten Sehenswürdigkeiten erreichen, ohne sich abzuhetzen. Wir sind in den 3 Tagen weder Bus noch Bahn gefahren.