Obwohl Timo und ich uns eigentlich eher für den Sommer und Temperaturen um die 30 Grad begeistern können, kommt nach dem Perito Moreno schon der nächste Gletscher auf unsere Bucketlist. Aber nicht nur der Gletscher hat es uns angetan, sondern gleich mehrere Stationen in Island stehen auf unserer Liste.
Irgendwie übt das Land eine ganz besondere Faszination auf uns auf. Allein die Sprache ist schon sehr speziell und erinnert mich irgendwie ein bisschen an Feen, Kobolde, Tolkien und Der Herr der Ringe. Insgesamt wirkt die Insel im Nordatlantik, die wie kaum ein anderer Ort Feuer uns Eis vereint, ziemlich mystisch :)

Allerdings muss man hier auch bei kleinem Budget damit rechnen um die 100€ am Tag auf den Kopf zu hauen. Island ist teurer als Norwegen oder die Schweiz, das besagt auch der Big MC Index. Zwar gibt es auf Island gar keine MC Donalds-Filialen, aber es gibt Studien dazu was so ein Big MC theoretisch kosten würde, nämlich ca. 7,60US$. In der Schweiz, die das offizielle Ranking von 2016 anführt, kostet der Burger „nur“ 6,44US$.
Also lange Rede, kurzer Sinn, wer nach Island möchte, braucht den großen Geldbeutel und das diesmal nicht für die Touren…

Was die Erkundung von Island ganz einfach macht, ist dass es eine Straße gibt (die Hringvegur oder Ringstraße), die einmal komplett um Island herum (1.330km) und an vielen Sehenswürdigkeiten mehr oder weniger vorbeiführt. Wir hangeln uns deshalb von Reykjavik aus gegen den Uhrzeigersinn an der Ringstraße entlang zu unseren Top 6 Sehenswürdigkeiten auf Island:

1. Die Blaue Lagune

Die Blaue Lagune, oder auf islandisch Bláa Lónið, ist ein 5.000qm großes Thermalfreibad nur 50km von Reykjavik, Islands Hauptstadt, entfernt. Durch sogenannte Kieselalgen bekommt das Wasser eine strahlend weiß-blaue Farbe und sieht fast aus wie Eis. Der Schein trügt aber, denn die Wassertemperatur liegt zwischen 37°C und 42°C.

Blue Lagoon Iceland

Eigentlich ist der See um 1976 nur durch ein Kraftwerk entstanden, dass die Energie eines vorhandenen Vulkansystems nutzt um Strom zu erzeugen. Das Wasser wird aus 2.000 Metern Tiefe mit einer Temperatur von 240°C heraufgepumpt, die Wärme „herausgezogen“ und in umliegende Lavafelder abgeleitet. Und so gab es dann die Blaue Lagune. Mittlerweile wird aber auch Wasser eigens für die Lagune unter der Erde hervorgepumpt ;)

Kosten: Die Preise für den Eintritt liegen bei 40€ pro Erwachsenem in den Wintermonaten und 50€ zwischen Juni und August. Neben dem Standardticket kann man auch Komfort-, Premium- oder Luxustickets bekommen. In den Preisen sind dann je nach dem die Nutzung von Handtüchern, eine Algenmaske und solche Dinge dabei. Genaueres dazu gibt’s hier.

Beste Reisezeit: im Winter, dann kann man die hohe Temperatur des Wassers genießen. Bei 20°C Außentemperatur verliert so ein Thermalbad vielleicht ein bisschen seinen Reiz.

2. Islands Geysire

Island ist bekannt für seine Geysire. Der älteste bekannte Geysir der Erde ist der Stóri Geysir (der große Geysir), nur ca. 100km entfernt von Reykjavik. Von ihm wurde auch die Bezeichnung Geysir (giósa = hervorsprudeln) für diese Art geothermaler Quellen übernommen. Der Stóri Geysir liegt im Tal Haukadalur im Südwesten von Island und ist nur noch sehr selten aktiv . In dem Gebiet am Fuße des Berges Laugarvatn (sind die isländischen Namen nicht einfach nur cool??) gibt es aber noch viele sehr aktive Geysire.

Strokkur Iceland

Der Geysir Strokkur – im Hintergrund sind ganz, ganz klein ein paar Zuschauer zu sehen

Die größte Attraktion ist sicherlich der Geysir Strokkur (deutsch: Butterfass). Er befindet sich direkt neben dem Großen Geysir und bricht alle 10 Minuten (manchmal auch öfter) aus. Die Fontäne aus kochend heißem Wasser erreicht dann eine Höhe von bis zu 35 Meter.

Kosten: Es gibt seit 2014 eine kleine Eintrittsgebühr von 4€ und es müssen der Mietwagen und das Benzin bezahlt werden. Oder alternativ ca. 70€ für eine geführte Tagestour von Reykjavik aus.

Beste Jahreszeit: Hauptsaison ist in den Sommermonaten von Juni bis August, aber die Geysire spucken auch im Winter heißes Wasser :)

3. Gullfoss Falls – der größte Wasserfall auf Island

Fast direkt neben Strokkur im Geothermalgebiet Haukadalur sind die Gulfoss Falls (goldener Wasserfall). Der Wasserfall gehört wie die Geysire zu den beliebtesten Zielen von Islandreisenden und ist der größte Wasserfall des Landes. Ganze 1.200m3 pro Sekunde schießen hier über Lavakanten ins Tal hinunter. Der Gullfoss besteht aus zwei Stufen, die im rechten Winkel zueinander stehen, der Gullfoss fließt also sozusagen um die Ecke. Die obere Stufe hat eine Höhe von ca. 11 Meter und die untere sogar von 20 Meter.

Gullfoss Iceland

Gullfoss im Sommer

Den goldenen Wasserfall würde es heute übrigens beinahe nicht mehr geben. In den Zwanzigern wollte ein britisches Unternehmen ein Kraftwerk am Gullfoss errichten und einen Staudamm bauen. Die Bauerntochter Sigriður Tómasdóttir hat das aber (ganz David gegen Goliath) durch einen jahrelangen Rechtsstreit verhindert. Am Ende hat sie sogar damit gedroht sich einfach die Fluten hinunterzustürzen… Heute steht deshalb ein Denkmal von ihr direkt neben dem Wasserfall

Kosten: Eine Eintrittsgebühr gibt es nicht. Wer eine Tour buchen möchte, sollte das auf jeden Fall in Verbindung mit den Geysiren tun.

Beste Reisezeit: im den wärmeren Monaten führt der Gullfoss mehr Wasser und die Temperaturen sind natürlich angenehmer als im Winter. Besichtigt werden kann der Wasserfall aber das ganze Jahr über. Und mit Schnee und Eis gespickt hat man auch ein tolles Bild!

4. Eishöhlen im Vatnajökull National Park

Weiter geht’s auf der Ringstraße in Richtung Osten bis zum Vatnajökull National Park, oder genauer zum Café Jökulsárlón, von wo die Touren in den National Park in der Regel starten. Von hier aus fährt man in „Monstertrucks“ zu den Gletschern, an denen sich jeden Herbst aufs Neue die Eishöhlen bilden – über den Sommer schmilzt das Eis nämlich und die Höhlen brechen ein. Die Guides müssen also auch jedes Jahr aufs Neue die Höhlen, die Eingänge und die Wege durch sie hindurch erkunden, damit wir Touristen dann dieses unglaubliche Wunder der Natur gefahrlos erleben können.

Das Eis in den Höhlen schillert je nach Wetter und Dicke und auch Dichte der Eisschicht in den verschiedensten Blautönen. Von Dunkelblau zu strahlendem Türkis ist alles dabei. Überall um einen herum ist massenweise dickes, fettes Eis in den schönsten Farben und Formen.

Kosten: von 150€ für eine 2,5stündige Tour bis 500€ für eine 2-tägige Tour. Die Touren müssen rechtzeitig gebucht werden, da die Besucheranzahl gegrenzt und die Tickets begehrt sind. Die Zeit, die man in den Höhlen hat variiert je nach Anbieter…

Beste Jahreszeit: Die Eishöhlen können nur zwischen November und März besucht werden, wenn die Temperaturen konstant unter Null Grad liegen. Wenn es wärmer wird, brechen Teile der Höhlen ein und es ist zu gefährlich die Eistunnel zu betreten.

Tipps für die Tour: werden unbedingt wasserfeste Wanderschuhe benötigt und auch wichtig: Die Straßen sind in Island während des Winters zum Teil komplett vereist, 200km können also sehr lange und auch gefährlich werden. Am besten also schon die Nacht vor dem Tag der Tour zu den Eishöhlen irgendwo in der Nähe der Jökulsárlón Lagune verbringen.

5. Whale Watching in Húsavík

Die kleine „Stadt“ Húsavík im Norden hat sich zum beliebtesten Ausgangspunkt auf Island für Whale Watching Touren entwickelt (Verrückte Info: Húsavík hat nur rund 2.250 Einwohner und liegt damit sage und schreibe auf Platz 19 der größten Städte Islands.) Zwischen April und November tummeln sich hier 12 verschiedene Walarten, darunter Minkwale, Buckewale, Orcas und sogar Blauwale. Ich würde ja wahnsinnig gerne mal einen Orca in freier Wildbahn sehen. -Mit einem Blauwal hatte ich schon vor der Kalifornischen Küste das Vergnügen. –Die Gefühl, dass neben dem eigenen kleinen Boot gerade ein 30m langer Wal schwimmt, ist sehr beeindruckend. Orcas sind aber –wahrscheinlich wegen der ganzen Filme wie Free Willy- meine Lieblingswale.

Kosten: Die Preise für eine 3-stündige Whale Watching Tour bewegen sich umgerechnet so zwischen 60 und 70€. Für Tagestouren kann man ungefähr das Doppelte rechnen.

Beste Reisezeit: Viele Touren werden von April-Oktober angeboten. Vereinzelt gibt es auch Touren, die man das ganze Jahr über machen kann. Das meisten Walsichtungen gibt es aber im Sommer in den Monaten Juni bis August. Eishöhlenwanderungen und Whale Watching sind also schwer unter einen Hut zu bekommen.

Noch ein Tipp zum Tierreich: der Papageientaucher (ein sehr seltenes und beliebtes Fotomodell) ist auch nur in den Sommermonaten auf Island zu finden.

Buckelwal und Papageientaucher Iceland

links Buckelwal, rechts Papageientaucher ;)

6. Kirkjufell – der Kirchberg

Unser letztes Highlight ist der Berg Kirkjufell (deutsch: Kirchberg) 170km vor Reykjavik und ca. 100km entfernt von der Ringstraße an der Küste – am Fjord Grundarfjöður. Der 463 Meter hohe Berg hat mit seinen gleichmäßig und steil abfallenden Abhängen von vorne betrachtet eine Form, die einem Kirchturm ziemlich ähnlich ist.

Im Sommer ist der Berg grün, im Herbst färben sich die Gräser langsam orange und im Winter ist Kirkjufell, wie alles andere in Island, schneebedeckt. Wegen seiner speziellen Form und der unglaublich schönen Umgebung mit Seen, Wasserfällen und dem Grundarfjöður-Fjord ist Kirkjufell wahrscheinlich der am meisten fotografierte Berg in Island. –Vielleicht kann nach dem extremen Ausbruch 2010 der Vulkans Eyjafjallajölull, der das halbe Flugnetz mit seiner Aschewolke lahm gelegt hat, noch mithalten…

Kosten: Den Kirkjufell kann man gratis bewundern.

Reisezeit: all year around ;)