Unendliches Durcheinander, das beschreibt Ho Chi Minh sicher am besten. Vietnams größte Stadt ist wirklich das reinste Chaos, ganz so wie man sich eine asiatische Großstadt vorstellt. Da jeder, der hier irgendwie voran kommen möchte, auf 2 Rädern unterwegs ist, gibt es auch für Touristen die Möglichkeit Ho Chi Minh (oder Saigon, wer den alten Namen der Stadt bevorzugt) mit dem Roller zu entdecken. Das geht auf eigene Faust, aber auch mit „geführten Touren“ bei denen man die Highlights der Stadt als Mitfahrer erleben kann. Da es hier keine Verkehrsregeln gibt, oder viel mehr keine an die sich irgendjemand hält, haben wir uns für die Rollertour mit Guides entschieden. Wer etwas lebensmüde ist, kanns wohl auch mit Selbstfahren probieren, aber dass sich der Stress lohnt bezweifle ich sehr -wobei man auch mit Guide schon ein bisschen Gottvertrauen braucht ;)

Wer bringt uns am besten durchs Chaos?

Und eben weil in Ho Chi Minh City täglich unzählige Verkehrsunfälle passieren, will der Touranbieter sorgfältig gewählt werden. Mit der Hilfe von Google haben wir uns für XO-Tours entschieden. Die Roller werden hier ausschließlich von Mädels gefahren, was tatsächlich ein wichtiger Punkt ist, wenn man bedenkt, dass in über 90% der Unfälle ausschließlich Männer involviert sind. Außerdem ist man bei XO Tours für den Fall des (Un)Falls versichert und das Ganze ist legal – viele Anbieter von Rollertouren in Ho Chi Minh sind nämlich illegal unterwegs. Dafür haben wir auch gerne ein paar Euro mehr bezahlt, 35 um genau zu sein.

Rollerwahnsinn in Ho Chi Minh

Rollerwahnsinn in Ho Chi Minh

XO Tours bietet verschiedene Touren an, für uns kam aus Zeitgründen nur die „The Sights“-Tour (9Uhr – 12Uhr) in Frage. Und wir wurden von unseren 2 Fahrerinnen auch morgens pünktlich um 9Uhr an unserem Hotel abgeholt -typisch vietamesisch im Ao Dai, dem Nationalgewand des Landes. Die Mädels haben super englisch gesprochen und uns auch gleich die wichtigsten Regeln erklärt. Zum Beispiel, dass wir unsere Beine bei uns lassen sollen, da wir sie sonst mit denen anderer Verkehrsteilnehmer verheddern könnten. Und auch, dass ich mich gerne an meiner Fahrerin festhalten kann, Timo dagegen nur an den Haltegriffen am Roller. ;)

Mit mega viel Spaß quer durch Ho Chi Minh

Dann gings auch direkt los zum Saigon Central Post Office wo wir uns mit den anderen Tourteilnehmern getroffen haben. Von da gings zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten wie dem Secret CIA Building, der Notre Dame Cathedral, dem Tan Dinh Market in Cholon (Chinatown) auf dem vor allem Grußhändler ihre Stände haben, zum Reunifikation Palace, zum Thich Quang Duc Memorial, dem Denkmal des sich selbst verbrennenden Mönches und, und, und. Überall wird angehalten um die wichtigsten und interessantesten Dinge zu erklären. So haben wir zum Beispiel auch gelernt, dass Vietnamesen eine geplante Hochzeit nie absagen würden. Selbst wenn beide Partner sich einig sind, dass sie sich eigentlich trennen möchten. Die Schande wäre einfach zu groß und es ist deshalb besser, zu heiraten und sich dann einfach wieder scheiden zu lassen.

Saigon Post Office und Notre Dame Cathedral

Saigon Post Office und Notre Dame Cathedral

Ziemlich am Anfang der Fahrt haben wir als Erfrischung für unterwegs ein riesen Getränk im Vorbeifahren in die Hand gedrückt bekommen. Zu Beginn der Tour konnte man hier zwischen den Geschmacksrichtungen Lychee und Kumquat wählen. Wir hatten Kumquat, war aber egal, hat nur nach Zucker geschmeckt. Viel lustiger war, dass man den riesen Plastikbecher mit zwei Händen halten musste, um nicht alles direkt auszuschütten. Ab da waren wir also erst mal freihändig im Chaos von Ho Chi Minh unterwegs. Das ging erstaunlich gut :)
Während der Fahrt durch Chinatown konnten wir außerdem auch geköpfte Frösche über die Straße hüpfen sehen, bevor sie endgültig auf dem Grill gelandet sind. Das war nicht nur verrückt sondern irgendwie auch gruselig. Ich hab zum Glück nicht richtig kapiert wohin ich schauen sollte und hab das kopflose Gehopse nur noch von Weitem gesehen.

Bei unserem Stopp am Thich Quang Duc Memorial haben wir dann auch noch erleben dürfen, was in Vietnam scheinbar ebenfalls gang und gäbe ist… Von einem der Roller wurde der Helm geklaut und gute Helme sind in Vietnam teuer. Da die Mädels von XO immer versuchen sehr gut aufzupassen, kamen die Helmdiebe nicht besonders weit. Die Sache war aber trotzdem sehr spektakulär: Das Ganze hat sich auf einer Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung abgespielt, das heißt die Diebe haben versucht auf einer unglaublich vorgestopften Straße geisterfahrermäßig davon zu kommen und die Mädels sind genauso geisterfahrermäßig hinterher. Also man kann wirklich sagen, dass in Vietnam der Leichtsinn regiert. Naja, der Helm war gerettet. Und wir haben die Tour dann ohne weitere „Katastrophen“ beendet und wurden wieder heil zu unserem Hotel zurückgebracht.

letzte Station der Tour, der Thien Hau Pagode Tempel

letzte Station der Tour, der Thien Hau Pagode Tempel

Fazit…

Die Fahrt mit dem Roller durch Ho Chi Minh war für uns wirklich ein richtig tolles Erlebnis. Da man mit Rollern und Motorrädern viel, viel schneller voran kommt als mit dem Bus oder dem Taxi, konnten wir in den 3 Stunden richtig viel von der Stadt sehen und haben viele interessante Dinge erklärt bekommen. Alle Fahrerinnen, die bei unserer Tour dabei waren, waren mega nett und super lustig, sodass man sich direkt richtig wohl fühlt. Und natürlich ist die Fahrt auf dem Roller durch das ganze Kuddelmuddel auf den Straßen schon an sich ein riesen Highlight. Wenn es uns das nächste Mal nach Ho Chi Minh verschlägt, werden wir auf jeden Fall nochmal eine Tour mit XO machen. Vielleicht die Night Tour… Es wird zwar auch eine Foodie Tour angeboten, und normalerweise sind wir ja immer dabei wenns was zu essen gibt. Aber Vietnamesen erscheinen uns doch etwas zu „wahllos“ was das Essen angeht.
Was wir übrigens bei unserer nächsten Tour auf jeden Fall in Erwägung ziehen werden, ist ein Mundschutz. Die gibt’s in Ho Chi Minh an jeder Ecke und in allen Farben. Bei 3 Stunden auf den Straßen zwischen tausenden Mofas, Autos und Rollern die einen Kat noch nicht mal aus der Ferne gesehen haben, hätten wir so ein Teil tatsächlich zu schätzen gewusst. Aber auch ohne Mundschutz können wir die Tour zu 100% weiterempfehlen.