Wir waren ziemlich überrascht, als wir zum ersten Mal gehört haben, dass es Eisberge in Argentinien gibt. Südamerika haben wir eigentlich immer mit hohen Temperaturen und viel Sonne in Verbindung gebracht. Dass es im Meer vor Argentinien Eisberge geben soll, konnten wir uns gar nicht vorstellen. Uns war aber auch nicht richtig klar, wie nahe der südliche Zipfel Argentiniens und Chiles an der Antarktis liegt. Das sind nämlich nicht einmal 1000km und dann ist es ein bisschen besser vorstellbar, dass es in Argentinien Eisberge geben kann. Wobei die Temperaturen eigentlich trotzdem viel zu hoch für Eisberge sind… Nähe zur Antarktis hin oder her. ;)

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Was hier ein bisschen aussieht wie die Überbleibsel einer Lawine sind tatsächlich riesige Eismassen, die bis zu 70m aus dem Lago Argentino ragen

Wo gibt es die Eisberge?

Die südamerikanischen Eisberge sind deshalb auch nicht, wie man vielleicht denken könnte, im Meer vor der argentinischen Küste, sondern „mitten“ auf dem Festland in Patagonien. Patagonien ist der Teil Südamerikas südlich des Rio Colorado (Argentinien) und des Rio Bio Bio (Chile). Hier gibt es im Los Glaciares Nationalpark zwei Gletscher, den Perito-Moreno und den Upsala-Gletscher. Das besondere an den Gletschern ist, dass sie von der Landschaft her der Antarktis und Arktis ähneln. Das gibt es außerhalb der beiden Polargebiete sonst nirgends. Unsere Gletscher in den Alpen sind damit überhaupt nicht zu vergleichen. Und bei uns gibt’s ja auch keine Eisberge :)

Was erwartet mich im Los Glaciares NP?

Der größere der beiden Gletscher in Argentinien ist der Upsala-Gletscher, der bekanntere ist aber der Perito-Moreno. Das Besondere an dem Gletscher ist, dass er im Wasser endet, nämlich im Lago Argentino. Da sich die Eismassen täglich weiter in den See schieben, kann man hier täglich bestaunen wie große Eisbrocken vom Gletscher abbrechen und ins Wasser stürzen. Der Vorgang heißt Kalben und muss sehr beeindruckend sein. Das Kalben eines Gletschers kann man sich normalerweise nur von einem Boot aus ansehen, aber dem Perito-Moreno-Gletscher ist eine Halbinsel vorgelagert, sodass man auch vom Land aus bequem warten kann bis es zu einem Abbruch kommt.
Der Gletscher ist außerdem über die Jahrzehnte so weit gewandert, dass er einen Arm des Lago Argentino in zwei Teile teilt und sich das Wasser so staut. Wenn der Pegel des oberen Armes dann hoch genug ist, zerbricht der Gletscher mit riesigem Getöse. Das passiert allerdings nur alle 4-10 Jahre und wird immer mit großer Spannung von tausenden Menschen erwartet.

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Der Perito Moreno mitten zwischen Wald und Bergen. Fast könnte man glauben, Photoshop hat hier ein bisschen nachgeholfen… :)

An all dem merkt man schon, dass die Gletscher in Südamerika in einer ziemlich untypischen Umgebung liegen. Nämlich nicht nur zwischen Wasser und noch mehr Eis, sondern um sie herum ist ein riesiges Waldstück, in dem die Vögel zwitschern und sogar Pumas leben.

Wie komme ich zum Perito Moreno?

Man muss sich darauf einstellen, dass der Ausflug nach Patagonien zum Perito Moreno Gletscher nicht ganz günstig ist, wenn man nicht sowieso auf dem Weg zum „Südzipfel“ ist. Die Touren zu den Gletschern starten von der Stadt El Calafate aus. Die kleine Stadt liegt direkt am Ufer des Lago Argentino und lebt fast ausschließlich von den Gletschertouristen. Erreichen kann man sie entweder mit dem Flugzeug oder dem Bus. Einen Flug (One-Way) von Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens, aus bekommt man für um die 100€. Von kleineren Städten Argentiniens, wie z.B. Bariloche oder Esquel, die ungefähr auf halber Strecke zwischen El Calafate und Buenos Aires liegen, sind die Flüge locker doppelt so teuer. Für alle die sparen müssen, dafür aber Zeit haben, lohnt es sich von hier aus mit dem Bus zu fahren. Die Preise für die Tickets liegen dann bei ca. 120-150€.

Wanderweg entlang des Perito Moreno

Wanderweg entlang des Perito Moreno

In El Calafate kann man dann die Tour direkt zu den Gletschern buchen. Die Preise für die Bootstouren liegen so zwischen 15 und 50€. Allerdings nicht in Abhängigkeit von der jeweiligen Tour, sondern davon wo man die Tour bucht. Ein bisschen Preise vergleichen kann sich hier also richtig lohnen. Von Hostel oder Hotel aus wird man dann abgeholt und die ca. 80km bis zum Perito Moreno gefahren. Dort fährt man dann ca. eine Stunde mit dem Boot zwischen den Eismassen hindurch :)
Wem Boot fahren nicht aufregend genug ist, der kann sich den Perito Moreno auch bei einer geführten Trekkingtour ganz genau und Hautnah ansehen.

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Einer der Katamarane mit denen man eine Tour zu den riesigen Eiswänden machen kann

Hochsaison ist übrigens während der warmen Monate von Oktober bis Mai. Die Durchschnittstemperatur liegt in dieser Zeit zwischen 15 und 25 Grad. Ziemlich warm dafür, dass es nur wenige Kilometer entfernt Eisberge gibt. Warum es bei solchen Temperaturen überhaupt möglich ist, dass es Gletscher gibt, dafür findet sich so leicht keine zufriedenstellende Erklärung. Der Grund scheinen  kühle, feuchte Pazifikwinde und die Schneeschmelze in den Anden zu sein. Tatsächlich ist der Perito Moreno sogar einer der wenigen Gletscher, die sich nicht zurückbilden. Und so können wir uns auf ein ganz besonderes Schauspiel und ein bisschen Antarktis-Feeling in Argentinien freuen!