Weniger ausgefallen, aber trotzdem ein Must-See wenn wir in Asien unterwegs sind: Die Chinesische Mauer, das größte Bauwerk der Menschheit (Volumen + Masse). Wie die Chinesen diese unglaublich lange Mauer hinbekommen haben ist mir trotz allen Erklärungen ein kleines Rätsel. Wer mit dem Gedanken spielt, die Mauer einmal komplett entlang zu wandern, sollte das sofort wieder bleiben lassen: bis April 2009 hatte die chinesische Mauer offiziell schon eine Länge von rund 6.800km. Die Chinesen haben da übrigens aus kulturellen Gründen ein bisschen gerundet… nämlich auf 5.000km oder viel eher 10.000Li (1Li = 500m). Und das machen sie deshalb, weil die Zahl 10.000 in China für „unendlich“ steht. Und das kommt der Realität tatsächlich schon sehr nahe!
Zwischen 2007 und 2009 von der chinesischen Kulturbehörde vorgenommene Messungen ergaben nämlich dann sogar eine Länge von sage und schreibe 8.851,8km. Man könnte die Chinesische Mauer damit mehr als zweimal um ganz Deutschland herum bauen.

2009 hat die chinesische Kulturbehörde aber auch bekannt gegeben, dass nur noch 513km von den knapp 9.000km der Mauer in gutem Zustand sind. Das oft eher weniger vorhandene Kulturbewusstsein der Chinesen und auch die Armut –vor allem in den ländlichen Gegenden- hat viele dazu bewegt, sich einfach die Steine der Mauer zum Bau des eigenen Hauses zu schnappen (seit 2006 verboten), die Mauer vollzupinseln oder sonst wie zu zerstören. Lange Stücke sind auch einfach komplett von Pflanzen überwuchert und dadurch eingestürzt.

Chinesische Mauer 1

Noch unvorstellbarer ist das Ausmaß der Mauer seit Juni 2012. Die Kulturbehörde hat die offizielle Gesamtlänge nochmal erhöht, auf unglaubliche 21.196km. Es war wohl auch in 2009 schon klar, dass die Mauer länger sein muss als die damals bekanntgegebenen 8.851km. Zu dem Zeitpunkt wurde nämlich nur der Abschnitt gemessen, der während der Ming-Dynastie erbaut wurde… Aber 21.000km??? Wer baut sowas? Und warum?

Ein bisschen Geschichte…

Das lässt sich natürlich kaum so richtig konkret beantworten. Zumindest bei dem „wer“ wird es bei solchen Dimensionen schwierig. Man könnte vielleicht sagen, so ziemlich alle Chinesen zwischen 500 v. Chr. und 1644 n. Ch. irgendwie an der Mauer mitgebaut haben. ;) Ganz so stimmt es dann aber doch wieder nicht.
Die chinesische Mauer war eigentlich mal „viele-kleine-Schutzwälle“, mit denen die damals noch vielen kleinen chinesischen Reiche sich voreinander schützen wollten. Eine richtige Mauer wurde zum ersten Mal 214 v. Ch. vom ersten chinesischen Kaiser Qin Shihuangdi gebaut. In dieser Mauer wurden viele der vorhandenen Schutzwälle integriert. Dabei wurden Männer, Frauen und auch Kinder von den Soldaten gezwungen beim Bau der Mauer zu helfen. Bis zu 20% der damaligen chinesischen Bevölkerung (gleichzeitig!) mussten beim Bau der Mauer helfen. Man kann oft lesen, dass hunderttausende Menschen (die Zahl bewegt sich zwischen 250.000 und 1.000.000) zu dieser Zeit beim Bau verhungert sind oder von den Aufsehern totgeprügelt wurden. Die meisten der Leichen, sagen die Gelehrten, wurden mit in die Mauer verbaut. Demnach ist die Mauer eigentlich ein Massengrab. Irgendwie ziemlich makaber.

Während der Ming-Dynastie (1368-1644 n. Chr.) hat die chinesische Mauer dann die heute bekannte Form bekommen: Eine breite Mauer mitten durch die Landschaft mit gemauerten Wachtürmen in regelmäßigen Abständen. Und genauso wurde sie auch 2007 zu einem der neuen sieben Weltwunder gewählt.

Wo besichtigt man die chinesische Mauer am besten?

Die bekanntesten Stellen der Mauer sind in der Nähe von Peking. Hier gibt es auch einige bereits restaurierte Abschnitte, zum Beispiel bei Badaling, rund 70km nordwestlich von Peking entfernt, oder bei Mutianyu – 90km nordöstlich von der Landeshauptstadt. Dass beide Abschnitte zu den bekanntesten gehören, bedeutet aber gleichzeitig auch –wie immer- jede Menge Touristen mit denen man die Mauer teilen muss. Sehr ruhig ist es dagegen bei Kaxgar. Wohl ein Geheimtipp für Fotografen, da die Mauer hier auch in gutem Zustand ist und sich kaum ein Touri hierher verirrt. Kein Wunder, der Ort liegt nur ein paar hundert Kilometer von der afghanischen Grenze entfernt und damit ganze 4.360km entfernt von Peking. Aber auch weniger weit im Nirgendwo gibt es schöne Stellen der Mauer, die etwas weniger besucht sind. Simatai (150km von Peking) soll z.B. ein ganz guter Kompromiss sein ;)

Chinesische Mauer 2

 

Die besten Jahreszeiten für einen Besuch der Chinesischen Mauer sind übrigens Herbst und Frühling. Die Temperaturen sind angenehm und die Hauptsaison ist im Sommer. D.h. zu dieser Zeit sind überall ein paar Touristen weniger unterwegs :) -Im Herbst sind außerdem die Wälder um die Mauer herum mit all den bunten Blättern besonders schön. Perfekt für tolle Fotos…