Ich bin dann mal weg… Jeder der das Buch von Hape Kerkeling gelesen hat will doch unbedingt das eine: Die Erleuchtung auf dem Jakobsweg finden. Mir ist das jedenfalls genauso gegangen. Als ich das Buch 2009 gelesen habe, hab ich mir fest vorgenommen ich will das unbedingt auch machen. Lustig eigentlich, weil die Geschichten über die Unterkünfte und andere Strapazen des Jakobswegs sich nicht wirklich nach Erleuchtung und schon gar nicht nach Erholung anhören. Trotzdem hatte ich das Gefühl: ‚ich schnappe mir sofort meine sieben Sachen und laufe los‘. Und zwar nicht nur die letzten 100km (ab dieser Distanz bekommt man die Compostela, die offizielle Pilgerurkunde). Sondern -so wie Hape Kerkeling- die komplette Distanz…!!’ Ich muss dazu sagen, besonders fleißige Kirchgänger sind Timo und ich jetzt nicht eben gerade, eher so gar keine. Aber das eine hat mit dem anderen ja auch nicht unbedingt zu tun, oder?!

Mittlerweile sind 7 Jahre vergangen und ich war seither nicht mal in Spanien und schon gar nicht auf dem Jakobsweg. Trotzdem habe ich bis heute nicht vergessen, wie sehr mich „Ich bin dann mal weg“ begeistert hat und jetzt wo sich die Möglichkeit ergibt, will ich mein 7 Jahre altes Vorhaben auch in die Tat umsetzen. Der Jakobsweg darf also auf keinen Fall fehlen auf unserer Bucket List.
Timo hat das Buch (noch) nicht gelesen und ihm fehlt es wohl deshalb noch ein bisschen an Enthusiasmus. Aber irgendwann in den nächsten Monaten ergibt sich ja vielleicht doch mal die Gelegenheit und falls nicht, muss er den Jakobsweg eben laufen, auch ohne vorher schon zu verstehen, was daran so faszinierend ist ;)

Wo genau verläuft der Jakobsweg?

Für alle die den Reisebericht von Hape Kerkeling auch noch nicht gelesen haben, oder schlicht vergessen haben, was eigentlich so alles in dem Buch steht:

‚Der‘ Jakobsweg ist eigentlich gleich mehrere Pilgerwege, die alle das Grab des Heiligen Jakobus (einer von Jesus’ 12 Aposteln) in Santiago de Compostela zum Ziel haben. Das macht recht viel Sinn, wenn man überlegt, dass die Menschen früher an ihrer Haustüre starten mussten. Eine Anreise zum „Start“ mit Bus und Bahn gab es natürlich nicht. Damit ergibt sich auch schon direkt die erste große Frage: Welche Strecke habe ich mir eigentlich als „komplette Distanz“ denn so vorgestellt??? Wahrscheinlich den bekanntesten der Wege – 70% der Pilger nehmen diesen und so auch Hape Kerkeling. In dem Fall wäre der Start dann in St. Jean Pied de Port in Frankreich und der Jakobsweg unserer Wahl damit der „Camino Francés“.

Jakobsweg - Kathedrale von Santiago de Compostela

Das Ziel alles „Camino-Pilger“: Die Kathedrale von Santiago de Compostela – erbaut über dem Grab des Apostels Jakobus

Bis zur Kathedrale in Santiago de Compostela sind es von hier aus 800km. Wer diese Strecke komplett zu Fuß bewältigen will, hat gleich zu Beginn des Weges eine harte Etappe vor sich: die Überquerung der Pyrenäen. Bei kaltem oder schlechtem Wetter ist die so gar nicht zu empfehlen und deshalb steigt man dann am besten erst knappe 30km später in Roncesvalles ein. Aber auch dann ist der Weg noch immer fordernd genug. Immerhin 770km zu Fuß bei jedem Wetter über Stock und Stein…

Pilgerausweis und Pilgerurkunde

Für den Camino Francés brauchen Pilger im Durchschnitt 32 Tage, d.h. 25km am Tag. Dabei beginnt man meist mit deutlich weniger Tageskilometern und legt am Ende dafür längere Strecken zurück. -Man muss sich ja auch erst mal an das Pilgern gewöhnen.
Um die Pilgerurkunde zu bekommen, braucht man einen Pilgerausweis (Credencial) und muss darin jeden Tag –meist an den Herbergen- einen Stempel (Sello) sammeln (Achtung: wer nur die letzten 100km läuft, muss jeden Tag 2 Stempel sammeln, um eine Urkunde zu erhalten). Den Ausweis bekommst du an den verschiedenen Startpunkten des Jakobswegs oder bei den Jakobusgesellschaften. Die Beantragung macht man am besten 2-3 Wochen vor dem Start der Pilgerfahrt. Die Kosten für den Pilgerausweis liegen bei ca. 5€. –Auch wer keine Urkunde möchte… der Pass mit den vielen Stempeln ist ein tolles Andenken.

Jakobsweg-Jakobsmuschel

Die Jakobsmuschel findet man überall entlang des Jakobswegs. Sie ist ein Wahrzeichen des Caminos und viele Sellos haben deshalb auch diese Muschelform :)

Und noch was: klar kann man die Strecken zwischen den Stationen auch mit dem Bus „abkürzen“. Wer das aber zu oft macht, muss damit rechnen, keinen Stempel zu bekommen. –Ob sich der ganze Auswand lohnt, wenn man sowieso nur Busfahren möchte, ist natürlich fraglich.

Wo übernachtet man entlang des Jakobswegs?

Wer den Jakobsweg läuft muss auch mal schlafen. Übernachtet wird klassischerweise in den sogenannten Refugios. Die gibt es überall entlang der Caminos und ein Bett in diesen Pilgerherbergen kostet meist nicht mehr als 10 Euro pro Nacht. Dort bekommt man dann je nach Art des Refugios ein Bett und Verpflegung, Länger als eine Nacht zu bleiben ist hier nur dann möglich, wenn man krank oder verletzt ist. –Wem es in den Refugios zu „kuschelig“ ist, kann auch auf Hotels ausweichen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Start der Pilgerreise?

Die beliebteste Reisezeit für den Jakobsweg ist im Hochsommer, dann ist der Camino Francés auch ziemlich überlaufen. –Ganze 262.459 Menschen haben sich letztes Jahr auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht.- Besser läuft man deshalb nicht in den Sommerferien oder nimmt dann einen der anderen Pilgerwege. –Immerhin 13% aller Pilger nehmen zum Beispiel den Camino Porto (240km Länge).
Wir pilgern aber sowieso lieber außerhalb der Hauptsaison :)

Also dann, auch euch ein fröhliches pilgern und buen Camino!