Über ein Jahr hab ich auf das Tiger Kingdom in Chiangmai gewartet. Immer wieder hab ich neue Artikel, neue Videos und Beiträge angeschaut. Wenn es ums Tiger Kingdom geht, gehen die Meinungen sehr stark auseinander.

Auf der einen Seite gibt es viele Leute die schreiben die Tiger sind betäubt, werden unter Drogen gesetzt damit Leute in den Käfig können. Es ist alles nur reine Geldmacherei und man sollte das Alles auf keinen Fall unterstützen. Ohne darüber nachzudenken, stimmt man innerlich schon zu. Wie sonst ist es möglich, dass ein Tiger so handzahm ist.

Dann liest man die andere Seite, Leute die freiwillig hier geholfen haben und zum Teil mehrere Monate mit den Tigern und deren Trainern zusammen gearbeitet haben. Keine Rede von Betäubung, kein Zwang und keine Bestrafung. Im Gegenteil, liest man zum Beispiel den Artikel von Vicky auf paintmeparadise hat man plötzlich ein ganz anderes Bild.

Am Ende wusste ich auch nicht mehr was nun die Wahrheit ist und was nicht. Die negativen Stimmen kommen oftmals von Leuten, die mal eben einen Stop im Park gemacht haben. Also habe ich mir fest vorgenommen, dass ich das selbst sehen muss.  Vor Ort sein, selbst in den Käfig gehen und sehen was es mit dem Tiger Kingdom in Chiangmai auf sich hat und wie es den Tieren tatsächlich geht. Also muss man sich den Park vor Ort anschauen.

Was macht das Tiger Kingdom genau

Das Tiger Kingdom ist ein Tigeraufzuchtprogramm, das ursprünglich Teil des Ubon Zoos war. Da das Programm relativ erfolgreich ist, wurden es immer mehr Tiere im Zoo (aktuell 50-60 Tiger) bei gleichbleibenden Einnahmen. Mit dem Tiger Kingdom sollten also die Kosten des Aufzuchtprogramms gedeckt werden.

Die Tiger werden mit der Hand aufgezogen, dadurch ist es überhaupt erst möglich als Besucher zu den Tigern in den Käfig zu gehen. Ist ein Tiger über 4 Jahre alt, ist er zu gefährlich für solche Interaktionen und wird nicht mehr im Tiger Kingdom eingesetzt. Die meisten landen danach aktuell im Zoo, aber es soll wohl ein Tiger Retirement Park errichtet werden indem in Zukunft die Tiger mehr oder weniger ausgewildert werden sollen.

Davon habe ich im Vorfeld schon mehrmals gehört, es konnte auch jeder bestätigen aber bis wann der Park fertig gestellt ist weiß niemand so genau. Eine richtige Auswilderung ist leider unmöglich. Die Tiger sind zu sehr an Menschen gewöhnt und könnten niemals wieder in freier Wildbahn überleben. So weit zum Hintergrund, jetzt zu den Vorwürfen…

Betäubung im Tiger Kingdom in Chiangmai

Auch auf die Gefahr hin dass ich das komplett falsch einschätze, sage ich die Tiger sind keinesfalls betäubt oder irgendwie ruhig gestellt. Das ist erstmal beruhigen und gut für die Tiger, aber das lässt den Puls ganz schnell mal in den Himmel schiessen wenn so ein 200 Kilo Koloss plötzlich aufspringt während ich neben ihm sitze, die Hand auf seinem Rücken. Eine Grenzerfahrung die ich so schnell nicht noch einmal brauche.

Das die Leute dennoch berichten die Tiger wären betäubt oder ruhig gestellt, kann man aber erahnen. Ist man nicht gerade früh morgens oder am ganz spät im Tiger Kingdom, dösen die Katzen nur vor sich hin. Wie es eben jede andere Katze auch machen würde. Das sich allerdings nicht alle an die Schlafenszeit halten, musste ich auch feststellen ;)

Training der Tiger

Wenn die Tiger also so aktiv sind, warum passiert dann nichts? Die Tiger werden von klein auf vom Menschen versorgt und sind regelrecht abhängig. Schon direkt nach der Geburt werden sie von der Mama getrennt und mit der Flasche groß gezogen. Das ist ein Teil des Geheimnisses.

Der Andere liegt im „Training“. Die Tiger werden „trainiert“, man merkt ihnen an wieviel Respekt sie vor dem Bambusstab und merkwürdigerweise auch vor einem Stück Schnur haben. Den Bambusstab als „Trainingsmittel“ kannte ich ja schon, die Schnur war mir aber neu. Ich vermute das die Tiger in jungem Alter mit unter Strom gesetzten Drähten konditioniert werden. Das ist allerdings wirklich pure Spekulation, die Trainer konnten oder wollten mir nicht beantworten warum die Tiger mit der Schnur in Schach gehalten werden.

Mit dem Bambusstab gibt es schon in jungem Alter, einen Schlag auf die Nase wenn die Tiger aggressiv werden. Das sind keine neuen Methoden, aber auch ganz sicherlich keine besonders schöne Art des „Trainings“.

Diese Einschüchterung führt dazu, dass die Tiger beinahe alles mit sich machen lassen. Das mit anzusehen, ist dann wirklich nicht schön. Wir waren in Südafrika im Gehege eines Geparden, der es genossen hat gestreichelt zu werden. Er hat geschnurrt wie ein kleines Kätzchen, uns die Hände geleckt. Es war ein tolles Erlebnis! Jetzt war ich also mit ausgewachsenen Tigern, meinen erklärten Lieblingstieren, im Käfig und der einzige Grund warum die sich nicht wehren ist die Einschüchterung mit Stock und Schnur.

Man merkt den Trainern zwar an dass ihnen die Tiger am Herz liegen. Leider kennen sie aber überhaupt keine Schamgrenze, wenn es darum geht zu beweisen dass die Tiger für den Besuchern harmlos sind. Von „den Schwanz hoch halten“ bis zum Eierkraulen war war alles dabei. Das geht einfach nicht, keiner kann mir erzählen dass irgendein Tier das gut findet.

Wie ist es im Käfig

Die kleinsten Tiger können dem Ganzen Spektakel sogar noch etwas abgewinnen. Jede Menge Spielkameraden und jede Menge Aufmerksamkeit. Je älter die Tiger werden desto mehr merkt man ihnen an, dass ihnen die fremden Menschen im Gehege nicht passen. Bei den großen Katzen (ab ca. 2 Jahre) war es deutlich, dass man nur  noch geduldet ist.

Will man zu den Tigern in den Käfig hat man im Normalfall die Wahl zwischen:

  • Cub – sehr klein und nur wenige Wochen/Monate alt
  • Smallest – klein, in etwa 3-5 Monate
  • Small – ungefähr die Größe eines Golden Retriever, 5-10 Monate und ca. 50 Kg
  • Medium – schon sehr groß, 11-18 Monate und um die 120 Kg
  • Big – über 2 Jahre alt und über 200 Kg schwer
  • Giant – ca. 3 Jahre und über 250 Kg schwer

Ich war also „nur“ bei Small, Medium und Big im Käfig. Es gab aktuell keine kleineren und die Giants hab ich mir angeschaut, aber da war ich schon bedient. Hinzu kommt, dass die Giants deutlich gefährlicher sind. Hier gelten strengere Vorschriften und allgemein wird den Leuten eher abgeraten davon. Als ich dort war, ist auch niemand zu einem „Giant“ ins Gehege.

Das Positive am Tiger Kingdom

Der Tiger wird in der Wildnis aussterben, schon jetzt sind nur noch 6 Unterarten des Tigers übrig. In freier Wildbahn sogar noch weniger. Da wir Menschen uns immer weiter ausbreiten, wird es auch nicht mehr lange dauern bis es keine Tiger mehr in freier Wildbahn gibt.

Es ist also auf jeden Fall wichtig, dafür zu sorgen dass die Tiger nicht komplett aussterben. Das Aufzuchtprogramm an sich ist eine gute Sache, immerhin hat es damit auch angefangen. Leider geht es mittlerweile immer mehr in eine falsche Richtung. Die Interaktion mit Menschen bringt zwar Geld um das Programm zu finanzieren, aber ist leider in dieser Form absolut nicht zu empfehlen.

Die Kehrseite

Tiger mittels Training und Konditionierung dazu zu bringen, sich nicht mehr zu wehren kann nicht der Weg sein. Ein Tiger ist kein Schosshund und schon gar kein Selfie-Accessoir. Das Geld muss erwirtschaftet werden, aber bitte so dass die Tiere ihre Würde behalten. Leider habe ich nicht das Gefühl, dass sich das in naher Zukunft ändern wird.

Ausstellung von den ganz Kleinen

Einen Punkt wollte ich euch nicht vorenthalten, der leider nicht zum Rest des Artikels passt. Bei meinem Besuch gab es Neugeborene weisse Tiger, so klein dass die Augen noch geschlossen waren. Man durfte sie zum Glück nicht streicheln, aber sie wurden „ausgestellt“ damit jeder sie sehen konnte. Für mich war das der traurigste Punkt überhaupt. Es war zwar immer jemand da der nach ihnen schaute, aber warum zur Hölle müssen die Kleinen so zur Schau gestellt werden.

Fazit

Auch wenn die Tiger nicht betäubt werden, werde ich mich nicht mehr ins Gehege begeben. Nachdem ich das einmal aus der Nähe betrachtet habe, ist das genug. So schön das Gefühl ist diese großartigen Tiere aus der Nähe zu sehen, so weh tut es einem wenn man sieht wie das möglich ist. Ich hoffe, dass sich auch beim Tiger Kingdom in Chiangmai und Phuket bald alternative Wege finden Geld zu erwirtschaften. Bei den Elefantenparks geht es schon langsam in die richtige Richtung. Mehr Projekte ähnlich dem „Tiger retirement Park“ wären zumindest ein Anfang. Allein der Glaube fehlt, dass sich an der aktuellen Situation so schnell etwas ändert.