Eine Krankenversicherung ist auch auf Reisen unerlässlich. Wenn doch mal ein Arzt- oder Krankenhausbesuch unvermeidbar ist und du dann deine Behandlung selbst bezahlen musst, ist dein Reisebudget ganz schnell aufgebraucht. Besonders in den USA und Kanada, wo die Kosten für ärztliche Behandlung 8-10 Mal so hoch sind wie in Europa.
Bist du in Deutschland gemeldet, musst du eine Krankenversicherung vorweisen können. Wenn du dich nicht in Deutschland aufhältst, muss es nicht immer zwingend eine Inlands- KV sein, der Vorweis einer Auslands-Krankenversicherung kann ebenfalls ausreichen.
Hier geben wir dir deshalb einen Überblick über die Optionen und Pflichten, die du hast.

Was deckt meine Inlands-Krankenversicherung ab?

Durch ein EU-Abkommen ist geregelt, dass deine Inlands KV, egal ob privat oder gesetzlich, auch im EU Ausland (und zusätzlich in den Staaten Island, Kroatien, Liechtenstein, Mazedonien, Norwegen und der Schweiz) gültig ist. Auf der Rückseite deiner Gesundheitskarte kannst du den entsprechenden Verweis finden (EHIC – European Health Insurance Card). Allerdings ist der Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung oft lückenhaft, da sich die Behandlung im Ausland an den Richtlinien des jeweiligen Landes orientiert. Das Niveau der medizinischen Versorgung ist leider nicht in jedem Land der europäischen Union gleich hoch. Für Reisen außerhalb der EU kommt deine gesetzliche Krankenversicherung überhaupt nicht für deine Behandlungskosten auf, die private KV dagegen versichert dich für 4 Wochen (teilweise auch länger) auch außerhalb der EU. In den seltensten Fällen reicht dieser Schutz für eine Weltreise aus und du musst dir eine Alternative bzw. eine Zusatzversicherung suchen.

Was tun mit der KV in Deutschland?

Du kannst deine Beiträge bei der privaten und auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung während du auf Weltreise bist weiter zahlen. Bei der gesetzlichen kannst du dich –sofern du nicht mehr in einem Arbeitnehmerverhältnis stehst und sowieso Beiträge zahlst- freiwillig versichern. Diese freiwillige Versicherung kostet dich zur Zeit monatlich 161€. Damit wärst du während Heimaturlauben abgesichert. Aufs Jahr gerechnet sind das allerdings knapp 2000€. Dafür dass du wahrscheinlich die meiste Zeit deiner Weltreise keine Gegenleistungen beziehen kannst, eine sehr hohe Summe.

Eine Alternative bietet die sogenannte Anwartschaftsversicherung bei der GKV (auch bei PKV möglich zur Sicherung des Beitragssatzes). Dabei zahlst du einen geringeren Betrag (auf Nachfrage bei der Audi BKK beträgt dieser 45€/Monat) und hast dadurch von deiner GKV die Garantie nach deiner Rückkehr nach Deutschland sofort wieder aufgenommen zu werden. Deine GKV ist zwar verpflichtet dich wieder aufzunehmen, wenn du vor deiner Abreise zuletzt gesetzlich krankenversichert warst. Es gibt aber Umstände unter denen es möglich ist, dass deine GKV sich bei der Wiederaufnahme querstellt. Trotzdem können 45€ jeden Monat (immerhin auch noch 540€ jährlich) während einer Weltreise auch besser investiert werden, als in die Wiederaufnahmegarantie einer gesetzliche Krankenversicherung ;).
Wenn du dich nach deiner Rückkehr arbeitslos meldest, und Arbeitslosengeld beziehst, das du dir vor Abreise deinen Anspruch gesichert hast, wirst du vom Amt wieder gesetzlich krankenversichert. Und auch wenn du nicht die Möglichkeit hattest, dir vor deiner Reise ALG zu sichern, mit Hartz IV wirst du ebenfalls automatisch gesetzlich krankenversichert. Solltest du vor deiner Abreise min. 5 Jahre privat versichert gewesen sein, kannst du dich von der GKV befreien lassen und bekommst vom Amt einen Zuschuss in Höhe des Beitrags der gesetzlichen Krankenversicherung.

Das bedeutet, du kannst dir die 45€/Monat für die Anwartschaft sparen, denn die GKV muss dich unter fast allen Umständen wieder aufnehmen, außer unter einem: wenn du dich vor oder während deiner Reise selbstständig gemacht hast. Dann erfüllst du die Voraussetzung für die private KV und die gesetzliche KV kann dich ablehnen. In so einem Fall ist die günstigste Option der privaten Versicherer derzeit die Basisversicherung der HanseMerkur mit einer Selbstbeteiligung von max. 1000€ im Jahr für derzeit monatlich 203€. Die Selbstbeteiligung kann gegen eine Beitragserhöhung stufenweise reduziert werden.

Welche Langzeit-Versicherung fürs Ausland?

Wenn du in Deutschland gemeldet bleibst, unterliegst du der Krankenversicherungspflicht. Du musst also nachweisen können, im Krankheitsfall abgesichert zu sein. Das heißt, schon um dich bei deiner Inlands-KV „abmelden“ zu können, brauchst du den Nachweis über die Auslandskrankenversicherung. Und damit du auch während deiner Weltreise gut abgesichert bist und es möglichst keine bösen Überraschungen gibt, sollte deine Reisekrankenversicherung folgende Punkte erfüllen:

  • Keine Leistungsbeschränkung für einzelne Länder (abgesehen von USA und Kanada*)
  • Keine Selbstbeteiligung
  • Rücktransporte wenn medizinisch sinnvoll nicht erst wenn notwendig
  • Krankenhausaufenthalte
  • Zahnbehandlungen
  • Rückerstattung zu viel gezahlter Beiträge, wenn deine Reise kürzer ausfallen sollte als gedacht
  • Anschlussversicherung für Deutschland bzw. für kurze Zwischenstopps

Wir können dir die Langzeit-Reiseversicherung der HanseMerkur empfehlen. Du kannst wählen zwischen der Versicherungspolice für Reisen von bis zu 365Tagen und für Reisen von bis zu 5 Jahren. Bei der zweiten Variante kannst du wiederum zwischen den Tarifen Basic und Profi wählen.

Der Tarif bis zu max. einem Jahr erfüllt alle der oben genannten Punkte abgesehen vom Anschlussschutz für Aufenthalte in Deutschland. Ab einer Versicherungsdauer von min. 6 Monaten bist du aber für max. 14 Tage auch für Länder versichert, die nicht im Geltungsbereich der Versicherung liegen. Das bedeutet, im Tarif ohne USA und Kanada bist du für Reisen länger als 6 Monate trotzdem für bis zu 2 Wochen in Nordamerika und per Definition damit auch in Deutschland krankenversichert.

Bei der Langzeitversicherung für bis zu 5 Jahre bist du sogar für einen Aufenthalt von bis zu 6 Wochen in Deutschland pro Versicherungsjahr (NICHT Kalenderjahr) abgesichert. Beim Basisschutz der 5-Jahres-Variante entfallen einige Leistungen im Vergleich zur Versicherung bis zu einem Jahr, z.B. beim Zahnersatz: Im Basic-Tarif sind nur Reparaturen bereits vorhandenen Zahnersatzes inbegriffen. Im Profi-Tarif bist du dagegen auch für neuen Zahnersatz versichert. Im Basisschutz musst du zudem pro Behandlung einen Selbstbehalt von 25€ zahlen. Im Profitarif entfällt diese Selbstbeteiligung. Hier entsprechen die Leistungen also denen des Jahrestarifs.

Die Kosten für die Tarife ohne USA/Kanada liegen für die Versicherung bis zu 365 Tagen bei 420€. Für die bis 5 Jahre verlängerbare Variante fallen die folgenden Kosten an: 710€ für den Basic-Tarif und 1070€ für den Profi-Tarif.
Die Beiträge für dieselben Tarife inklusive USA und Kanada liegen die Jahresbeiträge entsprechend bei 1130€, 1775€ und 2135€.

Für alle, die längere Zeit in den Staaten und Kanada verbringen wollen: Der ADAC macht bei der Langzeit Reise-KV keinen Unterschied ob mit oder ohne Nordamerika und der Tarif ist trotzdem absolut erschwinglich.
Der weltweite Schutz für ADAC-Mitglieder liegt bei jährlich 520€ und für nicht Mitglieder bei 575€. Die Selbstbeteiligung liegt hier dann schon bei 50€ und du bist nicht für Aufenthalte in Deutschland versichert. Für Reisen mit Fokus auf USA und/oder Kanada ist es trotzdem eine sehr gute Lösung. Bei 10 Behandlungen mit einem Selbstbehalt von 50€ bist du auch bei 10 Behandlungen noch unter den Kosten für den nahezu gleichwertigen Tarif (Basic) der HanseMerkur. Den Versicherungsschutz des ADAC kannst du für eine maximale Dauer von 2 Jahren in Anspruch nehmen.

Vorsorgeuntersuchungen

Vorsorgeuntersuchungen wie z.B. bei Zahn- oder Frauenarzt, Erstattung der Kosten für Brillen, Hörgeräte oder neuen Zahnersatz sind in Auslands-Krankenversicherungen in der Regel nicht inbegriffen. Hier müsstest du eine sog. Vollversicherung mit weltweiter Gültigkeit abschließen. Diese gibt es beispielsweise von der Barmenia, in Form der einsA expert und einsA expert+. Die Beträge hier beginnen bei 499€ bzw. 522€ im Monat Euro und sind für den „Durchschnitts-Backpacker“ damit eher weniger erschwinglich und selten besonders sinnvoll.
*Aufgrund der hohen Behandlungskosten in Nordamerika bieten dir viele Versicherer einen Tarif ohne USA und Kanada und einen Tarif mit USA und Kanada an. Dieser ist meist mindestens doppelt so teuer.